Theresia Philipp – Pollon with Strings

15.00

Kategorie:

Beschreibung

Wer mehrere Sprachen spricht, muss sich vielleicht nicht immer für eine davon entscheiden. Vielleicht ist die Entscheidung ja sowieso schon gefallen, zum Beispiel, wenn eine der Sprachen die so genannte Muttersprache ist. Aber möglicherweise kann man auch mehrere Muttersprachen haben und sich zu Hause fühlen in einer Sprache, die für Andere ein vieldeutiges Gebilde ist.
Das ähnelt in mancher Hinsicht der der Situation, in der sich Jazzmusiker zuweilen befinden. Denn je nachdem was man unter Jazz versteht, hat er verschiedene Wurzeln, auch verschieden tiefe. Und zu Hause kann man sich nur da fühlen, wo es mehrere Verbindungen zu mehreren Wurzeln gibt.
Bei Theresia Philipps Doppeltrio pollon with strings fällt diese gleichzeitige Mehrdeutigkeit schnell ins Auge und ins Ohr. Dabei ist es keineswegs so, dass das Streichertrio auf andere musikalische Wurzeln verweist als das Jazz-Trio, das mit Saxophon/Klarinette, Bass und Schlagzeug besetzt ist. Alle sechs MusikerInnen sind vielsprachig und wissen darum genau, was zu tun ist. Mal geht es um eine östlich- orthodoxe Hymne („Trishagion“), mal um ein ur-christliches Gebet („Vaterunser“), mal um pointillistisch nervöse Neue-Musik-Pizzicati („Secret Reality Part I), um gestaltete Schwindelgefühle („Vertigo“) und um Wahrheiten, die alles andere als einfach sind („Simple Truth“).
Vieles ist sorgfältig auskomponiert und wird mit großer Disziplin gespielt. Manchmal steckt die Musik voller Freiräume, die genauso diszipliniert mehrdeutig und mehrsprachig ausgestaltet werden. pollon with strings bildet keine bloße Addition von Verschiedenem, sondern ist eine Zusammenkunft, ein musikalisches Ereignis von großer Kohärenz, die ihre Stärken im Mehrdeutigen hat.
Hans Jürgen Linke